Kommunikation & Selbstständigkeit zurückgewinnen.
Ein Schlaganfall, eine Verletzung oder eine neurologische Erkrankung kann vieles verändern – manchmal ganz plötzlich, manchmal nach und nach.

Was kann sich durch eine neurologische Erkrankung verändern?
Neurologische Erkrankungen oder Schädigungen des Gehirns können ganz unterschiedliche Auswirkungen haben. Manche Menschen wissen genau, was sie sagen möchten, finden aber die passenden Wörter nicht. Andere verstehen Sprache gut, können ihre Sprechbewegungen jedoch nicht mehr wie gewohnt steuern. Auch Stimme und Schlucken können betroffen sein.
Welche Schwierigkeiten auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Deshalb schauen wir genau hin: Was ist noch gut möglich? Was fällt schwer? Und was ist für den persönlichen Alltag besonders wichtig?
Aphasie – wenn Sprache plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist
Bei einer Aphasie ist die Sprache selbst beeinträchtigt. Betroffene können beispielsweise Schwierigkeiten haben, die richtigen Wörter zu finden, Sätze zu bilden oder Gesprochenes zu verstehen. Auch Lesen und Schreiben können betroffen sein.
Das bedeutet nicht, dass ein Mensch nicht mehr weiß, was er sagen möchte oder nichts mehr zu sagen hat. Häufig ist vielmehr der Zugang zur Sprache erschwert.
In der Therapie arbeiten wir gezielt an den betroffenen sprachlichen Fähigkeiten und suchen gleichzeitig nach Möglichkeiten, Kommunikation im Alltag wieder leichter zu machen.
Dysarthrie & Dysarthrophonie – wenn das Sprechen schwerer fällt
Bei einer Dysarthrie ist die Steuerung und Ausführung der Bewegungen beeinträchtigt, die wir zum Sprechen benötigen. Das kann sich auf Aussprache, Sprechtempo, Atmung und Sprechmelodie auswirken.
Ist auch die Stimmgebung betroffen, spricht man von einer Dysarthrophonie. Die Stimme kann dann beispielsweise leiser, rauer oder angestrengter klingen.
Betroffene wissen in der Regel, was sie sagen möchten – ihre Sprache ist also nicht zwangsläufig beeinträchtigt. Das Gesagte verständlich auszusprechen kann jedoch deutlich schwieriger sein.
Sprechapraxie – wenn die Planung des Sprechens schwerfällt
Damit ein Wort gesprochen werden kann, muss unser Gehirn in kürzester Zeit viele Bewegungen von Lippen, Zunge und Kiefer planen und aufeinander abstimmen.
Bei einer Sprechapraxie ist genau diese Planung beeinträchtigt. Ein Laut oder Wort kann einmal gelingen und beim nächsten Versuch wieder schwerfallen. Manche Betroffene suchen sichtbar nach der richtigen Mundposition, vertauschen Laute oder sprechen langsamer und angestrengter.
In der Therapie werden Sprechbewegungen gezielt angebahnt, wiederholt und gefestigt. Dabei orientieren wir uns immer daran, was für die persönliche Kommunikation besonders wichtig ist.
Kommunikation kann neue Wege finden.
Dysphagie – wenn Essen und Trinken nicht mehr selbstverständlich sind
Auch das Schlucken kann durch neurologische Erkrankungen beeinträchtigt werden. Eine solche Schluckstörung wird Dysphagie genannt.
Hinweise können beispielsweise häufiges Verschlucken oder Husten beim Essen und Trinken, Probleme beim Kauen oder Schlucken, eine veränderte Stimme nach dem Trinken oder Schwierigkeiten beim Umgang mit Speichel sein.
Eine Dysphagie sollte sorgfältig abgeklärt werden, denn Nahrung oder Flüssigkeit kann in die Atemwege gelangen – in manchen Fällen sogar, ohne dass ein deutliches Husten auftritt.
In der Therapie geht es deshalb um weit mehr als angenehmeres Essen und Trinken. Ziel ist es, das Schlucken entsprechend den individuellen Möglichkeiten möglichst sicher zu gestalten und Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten oder wiederzugewinnen.
Welche Ursachen können dahinterstecken?
Neurologische Sprach-, Sprech- und Schluckstörungen können unterschiedliche Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise:
- Schlaganfall
- Schädel-Hirn-Trauma
- Morbus Parkinson
- Multiple Sklerose (MS)
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS)
- Hirntumore
- entzündliche Erkrankungen des Gehirns
- weitere neurologische Erkrankungen
Nicht jede Erkrankung führt zu den gleichen Schwierigkeiten. Auch der Verlauf kann sehr unterschiedlich sein. Deshalb richtet sich die logopädische Therapie immer nach der individuellen Situation und den persönlichen Möglichkeiten.
Angehörige gehören für uns fest mit dazu.
Eine neurologische Erkrankung verändert häufig nicht nur das Leben der Betroffenen. Auch für PartnerInnen, Familie und andere nahestehende Menschen entstehen neue Situationen und viele Fragen.
Wie kann ich ein Gespräch unterstützen, ohne ständig zu helfen? Wie viel Zeit sollte ich lassen? Was mache ich, wenn wir uns gegenseitig nicht verstehen? Und worauf muss ich beim Essen und Trinken achten?
Deshalb beraten wir auf Wunsch auch Angehörige und zeigen Möglichkeiten, wie Kommunikation und Alltag gemeinsam leichter gestaltet werden können.
Wie kann logopädische Therapie unterstützen?
Am Anfang steht eine genaue Einschätzung der vorhandenen Fähigkeiten und Schwierigkeiten. Gemeinsam legen wir fest, was im Alltag besonders wichtig ist und welche Ziele realistisch und sinnvoll sind.
Je nach Störungsbild arbeiten wir beispielsweise daran,
- Wörter wieder leichter abzurufen und Sprache besser zu verstehen,
- Sprechbewegungen gezielter zu planen und auszuführen,
- Aussprache, Stimme und Sprechatmung zu verbessern,
- alternative Möglichkeiten zur Verständigung zu nutzen,
- das Schlucken sicherer zu gestalten,
- Strategien für typische Situationen im Alltag zu entwickeln.
Dabei schauen wir nicht nur auf einzelne Übungen. Entscheidend ist, dass das Erarbeitete möglichst dort ankommt, wo es gebraucht wird:
im Gespräch mit der Familie, beim Telefonieren, beim Einkaufen, beim Essen und Trinken oder beim Austausch mit anderen Menschen.
Wenn Sprechen allein nicht ausreicht
Kommunikation muss nicht ausschließlich über gesprochene Sprache funktionieren.
Wenn das Sprechen stark eingeschränkt ist, können ergänzende Kommunikationsmöglichkeiten helfen – beispielsweise Gesten, Schrift, Bilder, Symbolsysteme oder elektronische Kommunikationshilfen.
Welche Möglichkeiten sinnvoll sind, hängt von den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen ab. Entscheidend ist nicht der Weg, sondern dass Verständigung und möglichst selbstbestimmte Kommunikation möglich bleiben.
Was wieder möglich wird, zählt.
Wenn Vertrautes plötzlich schwerfällt, finden wir gemeinsam neue Wege.
Sie selbst oder ein Angehöriger haben nach einem Schlaganfall, einer Verletzung oder aufgrund einer neurologischen Erkrankung Schwierigkeiten mit Sprache, Sprechen oder Schlucken? Nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. Wir besprechen gemeinsam Ihre Situation, die ärztliche Verordnung und welche Unterstützung sinnvoll sein kann.
- Gut zu wissen:
Gerade nach einem Krankenhaus- oder Reha-Aufenthalt entstehen zu Hause oft neue Fragen. Bringen Sie vorhandene Befunde und Berichte gerne zum ersten Termin mit. Sie helfen uns dabei, an die bisherige Diagnostik und Therapie anzuknüpfen.
Wir sind für Sie da – in Weiden & Neustadt/WN
Gut zu wissen, bevor es losgeht.
Wie schnell bekommen wir einen Therapieplatz?
Das lässt sich leider nicht pauschal sagen. Je nach Auslastung, Therapiebedarf und Ihren zeitlichen Möglichkeiten kann es zu Wartezeiten kommen. Wir versuchen, Ihnen so bald wie möglich einen passenden Therapieplatz anzubieten.
Wenn Sie bei Wochentag und Uhrzeit flexibel sind, kann es häufig schneller gehen. Teilen Sie uns deshalb bei Ihrer Anfrage gerne mit, welche Zeiten für Sie grundsätzlich möglich sind.
Warum ist ein Termin am Vormittag oft schneller möglich?
Viele Familien benötigen Termine nach Kindergarten oder Schule, Berufstätige bevorzugen den späteren Nachmittag. Entsprechend groß ist die Nachfrage in diesen Zeiten – und freie Termine sind dort oft schneller vergeben. Das ist auch bei anderen logopädischen Praxen ein typisches Muster.
Wenn Sie einen Termin am Vormittag oder frühen Mittag ermöglichen können, lässt sich deshalb unter Umständen deutlich früher ein Therapieplatz finden. Sprechen Sie uns einfach darauf an – gemeinsam schauen wir, was sich mit Ihrem Alltag vereinbaren lässt.
Muss mein Kind für die Therapie am Vormittag in Kindergarten oder Schule fehlen?
Wenn ein Vormittagstermin angeboten wird, besprechen wir mit Ihnen, ob und wie dieser für Ihre persönliche Situation infrage kommt. Gerade bei längerfristigen Therapien soll der Termin schließlich nicht nur fachlich sinnvoll sein, sondern auch möglichst gut in den Alltag passen.
Wenn ausschließlich Termine am späten Nachmittag möglich sind, sagen Sie uns das bitte bei der Anmeldung. Dann berücksichtigen wir dies bei der Terminplanung – möglicherweise ist damit allerdings eine längere Wartezeit verbunden.
Brauche ich bereits eine Verordnung, wenn ich mich bei Ihnen melde?
Für eine logopädische Behandlung als Heilmittel benötigen Sie eine ärztliche oder – bei bestimmten Indikationen – zahnärztliche Verordnung. Sie müssen mit der Kontaktaufnahme bei uns aber nicht warten, bis Ihnen die Verordnung vorliegt. Gerade wenn mit einer Wartezeit zu rechnen ist, ist eine frühzeitige Anfrage sinnvoll.
Wichtig ist, dass die Verordnung zum tatsächlichen Therapiebeginn gültig ist. Bei gesetzlich Versicherten muss eine Heilmittelbehandlung grundsätzlich innerhalb von 28 Kalendertagen nach Ausstellung beginnen; bei als dringlich gekennzeichneten Verordnungen innerhalb von 14 Tagen.
Wie oft findet die logopädische Therapie statt?
Wie häufig und in welchen Abständen die Behandlung stattfindet, richtet sich nach der Verordnung und dem individuellen Therapiebedarf. Der Heilmittelkatalog sieht je nach Indikation unterschiedliche Frequenzen vor; häufig kommen beispielsweise ein bis mehrere Termine pro Woche infrage.
Wie wir die Termine konkret planen, besprechen wir gemeinsam mit Ihnen. Dabei berücksichtigen wir sowohl die therapeutischen Anforderungen als auch die Möglichkeiten im Alltag.
Was passiert beim ersten Termin?
Zunächst möchten wir Sie beziehungsweise Ihr Kind kennenlernen. Wir sprechen über den Anlass für die Behandlung, die bisherige Entwicklung und darüber, was Ihnen im Alltag auffällt oder Schwierigkeiten bereitet.
Je nach Anliegen schließen sich eine logopädische Diagnostik und erste therapeutische Schritte an. Daraus entwickeln wir die individuellen Therapieziele und besprechen mit Ihnen, wie es weitergeht.